DATEN UND FAKTEN

Epidemiologie

In Deutschland leben nach Angaben der Fachgesellschaften circa 15 Millionen Menschen mit chronischen Schmerzen. Nach Schätzungen der Experten sind vier bis fünf Millionen wegen ihrer Schmerzen stark beeinträchtigt.

Verursacht werden chronische Schmerzen häufig durch rheumatische Erkrankungen, Osteoporose, degenerative oder entzündliche Gelenkerkrankungen, meistens jedoch durch Rückenleiden. So haben etwa 22 Prozent der Frauen und 15 Prozent der Männer in Deutschland Rückenschmerzen, die mindestens drei Monate anhalten und sich täglich oder nahezu täglich bemerkbar machen.

Etwa 7,6 Prozent der Frauen und 4,9 Prozent der Männer im Alter von 50 bis 79 Jahren erleiden mindestens einen Wirbelbruch durch Osteoporose. Bei 20 bis 40 Prozent der Bevölkerung finden sich Zeichen von Arthrose in Röntgenaufnahmen der Gelenke. So ist beispielsweise der Gelenkspalt verschmälert oder der Knochen unter dem Knorpel verdichtet. Etwa ein Drittel aller 60-Jährigen mit Verschleißerscheinungen der Gelenke im Röntgenbild hat Schmerzen. Neben all diesen Krankheiten des Bewegungsapparates führen auch Erkrankungen des Nervensystems und Tumorerkrankungen zu chronischen Schmerzen. Mehr als 430.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an Krebs. Etwa ein Drittel aller von Krebs Betroffenen leidet bereits in einem frühen Stadium der Erkrankung an Schmerzen – im weiteren Verlauf sind es bis zu 90 Prozent aller Patienten.

In diesen Statistiken nicht erfasst ist die umfangreiche Zahl an Patienten mit starken akuten Schmerzen wie z. B. nach einer Operation.


Volkswirtschaftliche Kosten

Schmerzen sind nicht nur mit Leidensdruck für die Patienten verbunden, sondern verursachen auch enorme volkswirtschaftliche Kosten. Faktoren sind hierbei nicht nur die direkten Behandlungskosten, sondern vor allem auch die Kosten für Rehabilitation, Arbeitsunfähigkeit und vorzeitiger Berentung.

Beispiel Rückenschmerzen: Die Kosten, die insgesamt durch Rückenschmerzen entstehen, sind vergleichbar mit den Kosten von Volkskrankheiten wie Kopfschmerzen, Herzerkrankungen, Depressionen oder Diabetes. Das besondere an der Kostenstruktur: Im Gegensatz zu anderen Krankheiten machen bei Rückenschmerzen die indirekten Kosten gegenüber den eigentlichen (direkten) Therapiekosten den größten Anteil aus. So wurden im Jahr 2002 nach der Krankheitskostenrechnung des Statistischen Bundesamtes für die Behandlung von Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückens knapp 8,4 Milliarden Euro ausgegeben und damit rund vier Prozent der direkten Kosten für alle Krankheiten. Die Größenordnung der indirekten Kosten wird bei Betrachtung der Zahlen zur Arbeitsunfähigkeit deutlich. Erkrankungen der Wirbelsäule und des Rückens verursachten im Jahr 2002 pro 10.000 Pflichtmitglieder der AOK 33.785 Arbeitsunfähigkeitstage. Das sind durchschnittlich mehr als drei Tage pro Mitglied und insgesamt fast 18 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage.


Problem: Unterversorgung

Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Grundrechte, Artikel 2, garantiert jedem das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Damit verpflichtet das Grundgesetz auch, Schmerzen angemessen zu behandeln.
Dennoch erhalten nur circa 20 Prozent aller Schmerzpatienten eine Schmerzbehandlung, die ihre Schmerzen ausreichend lindert. Und das, obwohl in den vergangenen Jahren nennenswerte Fortschritte auf dem Gebiet der Schmerztherapie erzielt wurden und effektive sowie sehr gut verträgliche Therapieoptionen zur Verfügung stehen.

Zudem ist das Angebot an schmerztherapeutischen Einrichtungen in Deutschland viel zu gering. Daher müssen Patienten, um einen Termin bei einem Schmerztherapeuten zu bekommen, meist lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Die Arztpraxen sind überfüllt und die Zeit der Ärzte für ihre Patienten ist begrenzt. Dieser Zustand ist für Schmerzpatienten und Ärzte sehr unbefriedigend.

Auch kontinuierliche Anstrengungen in der Forschung sind notwendig. Die finanzielle Förderung der Schmerzforschung ist aber im Vergleich zum Gesamtvolumen der medizinischen Forschung unbefriedigend: Die Mittel für Schmerzforschung betragen nicht einmal ein Prozent der Folgekosten von Schmerzkrankheiten.