GEMEINSAM GEGEN DEN SCHMERZ: ZAHLREICHE BERATUNGS- UND MITMACHAKTIONEN AM BUNDESWEITEN AKTIONSTAG

Gemeinsam für eine bessere Versorgung von Schmerzpatienten v.l.: Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink (Leiter des Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster), Univ.-Prof. Dr. med. Esther Pogatzki-Zahn (Schmerzspezialistin und Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des UKM), Ruth Boche (Pflegespezialistin für Schmerzmanagement, UKM) und Ansgar Rausch (Qualitätsmanagement der UKM Pflege).

Schmerzen müssen so früh wie möglich behandelt werden -  darin waren sich alle Ex-perten einig. Beim ersten bundesweiten Aktionstag gegen den Schmerz am 5. Juni  boten das Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster, das Universitätsklinikum Münster (UKM), die Apothekerkammer Westfalen-Lippe, der Hausärzteverbund, die Facharztinitiative Münster dazu zahlreiche Apotheken sowie Haus- und Fachärzte der Stadt umfangreiche Informations- und Mitmachaktionen für Schmerzpatienten.

Das Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster bot gemeinsam mit der Apothekerkammer Westfalen-Lippe eine Beratungsaktion in allen teilnehmenden Apotheken in Münster an. Unter dem Motto „Schmerzfrei in Münster“ erhielten Schmerzpatienten, Angehörige und alle Interessierten umfangreiches Informationsmaterial und Ratschläge zur Schmerzlinderung. Unterstützt wurde die Aktion auch von den Haus- und Fachärzten in Münster, die ihre Patienten auf die Beratung hinwiesen und zudem fundiert in den Praxen berieten. Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink, Leiter des Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt: „Wir freuen uns über die hervorragende Zusammenarbeit der einzelnen Kooperationspartner. Von den Apothekern mit Beratungsaktionen über den Hausärzteverbund und die Facharztinitiative Münster bis zu den Ärzten und Pflegern in Krankenhäusern waren alle gemeinsam im Einsatz gegen den Schmerz.“

Im UKM stellten sich unter anderem die Pflegespezialisten für Schmerzmanagement, die Akute - und chronische Schmerztherapie, die Schmerzambulanz, das Brückenteam (Kinderpalliativversorgung), die Weiterbildungsstätte des UKM sowie auch das Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster vor. Daneben hatten Betroffene und Interessierte die Möglichkeit, Therapie- und Entspannungsübungen wie Yoga, Feldenkrais oder die Spiegeltherapie sowie eine Klangmassage mit allen Sinnen zu erleben. Speziell für medizinisches Fachpersonal boten die Experten des UKM Kurzvorträge sowie die Teilnahme an einer Interdisziplinären Schmerzkonferenz an. „Der bundesweite Aktionstag ist eine tolle Gelegenheit, um Betroffene und Fachpersonal gleichermaßen anzusprechen. Noch zu häufig wird Schmerz zu spät oder gar nicht behandelt. Ich freue mich, dass in Münster so viele Kooperationspartner gemeinsam das Thema Schmerz angehen“, sagte Univ.-Prof. Dr. med. Esther Pogatzki-Zahn, Oberärztin der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des UKM.

Interdisziplinäre und berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit notwendig
Fundierter Expertenrat und umfangreiche Infopakete: Zahlreiche Apotheken, Haus- und Fachärzte aus Münster beteiligten sich an der Aktion

Rund 17 Prozent der Deutschen leiden nach Angaben der Deutschen Schmerzgesellschaft an chronischen Schmerzen, das entspricht 13 Millionen Schmerz-Patienten in Deutschland. In NRW leben insgesamt ca. 1,7 Millionen Patienten mit chronischen Schmerzen; davon sind mindestens eine Millionen behandlungsbedürftig. Von den 120 in NRW bestehenden speziellen schmerztherapeutischen Einrichtungen kann aber pro Quartal nur ca. ein Fünftel der behandlungsbedürftigen Patienten behandelt werden. Dies führt zu Unter- und Fehlversorgung der Patienten und fördert Chronifizierungsprozesse. Schmerzen sind eine komplexe Erkrankung, die in der Regel auch eine komplexe Therapie erfordert. Diese besteht häufig nicht nur aus einer sondern mehreren Therapieformen, die sinnvoll kombiniert werden. Ärzte verschiedener Disziplinen sowie Pflegende, Physiotherapeuten und weitere Berufsgruppen sind notwendig, um den Schmerz in den Griff zu bekommen. „Münster ist dank der guten interdisziplinären und berufsgruppenübergreifenden Zusammenarbeit deutschlandweit Vorreiter im Bereich der Schmerztherapie. Doch auch wir können noch besser werden. Wir wollen erreichen, dass jeder Betroffene weiß, was bei Schmerzen zu tun ist, an wen er sich wenden kann und dass niemand starke Schmerzen ertragen muss “, betonte Univ.-Prof. Dr. med. Esther Pogatzki-Zahn.

Auf die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit im Schmerzmanagement verwiesen auch die Experten des Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster. Unter Einbezug der verschiedenen Berufsgruppen fördert das Team rund um Leiter Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Jür-gen Osterbrink die Zusammenarbeit der einzelnen Akteure im Schmerzmanagement und verbessert so nachhaltig die Versorgungssituation in Münster. Osterbrink: „Die Kommunikation zwischen Haus- und Fachärzten, Pflegenden sowie Klinikpersonal erwies sich bei vielen unserer Untersuchungen als große Herausforderung. Dabei ist genau diese partnerschaftliche und effektive Zusammenarbeit der einzelnen Berufsgruppen so wichtig für ein gelungenes Schmerzmanagement.“ Eine bedeutende Rolle spielen die Pflegenden in der Schmerztherapie: Sie bilden eine wichtige Schnittstelle zwischen Arzt und Patient. Das Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster ermöglicht insgesamt einhundert Pflegefachkräften münsterscher Einrichtungen eine hochwertige Weiterbildung im Schmerzmanagement. Die ersten 36 dieser sogenannten „Pain Nurses“ wurden vor kurzem zertifiziert und haben ihren Dienst angetreten.