AKTIONSBÜNDNIS SCHMERZFREIE STADT MÜNSTER BEGLEITET DIE HAUSÄRZTLICHE VERSORGUNG VON SCHMERZPATIENTEN

Hausärzte haben als erste Anlaufstelle eine zentrale Rolle bei der Schmerzversorgung. Im Rahmen der einzigartigen Versorgungsforschungsstudie „Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster“ wurden daher in Kooperation mit dem Hausärzteverbund Münster (HVM) 77 Hausärzte zum Schmerzmanagement befragt. Auf die Ergebnisse folgen nun Verbesserungen wie Qualifizierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit dem Hausärzteverbund und einer interdisziplinären Arbeitsgruppe.

Die Befragung ergab, dass pro Quartal rund 24 Prozent der Münsteraner Hausarzt-Patienten ihren Arzt auf wegen Schmerzen, hauptsächlich Rücken-schmerzen, aufsuchen. Die Wirksamkeit der Schmerztherapie überprüfen über 86 Prozent der Ärzte zum Beispiel in Gesprächen oder mit Schmerzskalen. Zudem ist auch die nicht-medikamentöse Therapie von Schmerzen sehr wichtig: 84 Prozent der Ärzte verordnen Maßnahmen wie vor allem Physiotherapie.

Bei der medikamentösen Schmerzbehandlung setzen Hausärzte vor allem auf sogenannte Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie z.B. Ibuprofen. So gaben über 96 Prozent der Ärzte an, Ibuprofen häufig oder sehr häufig einzusetzen, bei Paracetamol über 78 Prozent und bei Diclofenac gut 78 Prozent.

Interprofessionelle Zusammenarbeit fördern

„Unsere Studie hat auch ergeben, dass Handlungsbedarf bei der interdisziplinären Kommunikation sowie bei den Fortbildungen besteht“, fasst Osterbrink die Ergebnisse zusammen. Zwar bestünde ein sehr guter fachlicher Austausch mit dem Palliativnetz Münster, jedoch nur ein befriedigender (Ärzte) bzw. ausreichender (Pflegende) mit dem Krankenhauspersonal. Dr. Armin Schuster, 1. Vorsitzender des Hausärzteverbunds Münster, sieht eine Verbesserungsmöglichkeit darin, die Verantwortlichkeiten in der Schmerztherapie genauer zu definieren: „Zur Schmerztherapie gehört ein gut organisiertes Case-Management, damit der Hausarzt seine Rolle als erste Anlaufstelle wahrnehmen und Schmerzpatienten schnell und unbürokratisch weiterleiten kann.“ Allerdings gebe es in Münster, wie in ganz Deutschland, nicht genügend Schmerztherapeuten oder spezialisierte Praxen, zu denen schwierige Fälle überwiesen werden könnten.

Qualifizierte Schmerztherapie ermöglichen

Deshalb sind Qualifizierungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit dem Hausärzteverbund geplant. „Schmerzmanagement ist bis heute kein fester Bestandteil des medizinischen Curriculums. Angehende Ärzte können ihre gesamte Ausbildung durchlaufen, ohne sich mit dem Thema Schmerztherapie befassen zu müssen“, erläutert Osterbrink. Auch für den Sprecher und Vorstand des Hausärzteverbunds Dr. Ralf Becker liegen hier Gründe für Kompetenzlücken: „Kenntnisse der Schmerztherapie sind ein wichtiger Bestandteil der ärztlichen Praxis. Eine fundierte Aus- und Weiterbildung ist deshalb unabdinglich.“ Aus diesem Grund unterstütze der HVM qualitätsfördernde Projekte wie das Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt und die Fortbildungen, die derzeit konkretisiert werden. Becker: „Unsere Mitglieder engagieren sich sehr, die medizinische Versorgung in Münster zu verbessern und durch regelmäßige Weiterbildung die Qualität der Behandlung zu steigern.“ Mit Hilfe von Qualitätszirkeln soll auch die Kooperation zwischen den verschiedenen Berufsgruppen gefördert werden.

Interdisziplinäre Arbeitsgruppe für ein besseres Schmerzmanagement

Neben Schulungen ist auch die Einführung einer interdisziplinären Arbeits¬gruppe in Planung. Dieses Expertenteam wird gemeinsam an einem effektiven Schmerzmanagement arbeiten. Osterbrink: „Wir sind überzeugt, dass wir das Schmerzmanagement gemeinsam mit den Vertretern des Hausärzteverbunds, der Facharztinitiative sowie den anderen an der schmerztherapeutischen Versorgung Beteiligten nachhaltig verbessern können.“