AKTIONSBÜNDNIS SCHMERZFREIE STADT MÜNSTER VERBESSERT DAS SCHMERZMANAGEMENT IN MÜNSTERISCHEN ALTENHEIMEN: MEHR DEMENZKRANKE BEKOMMEN JETZT EINE PROFESSIONELLE SCHMERZTHERAPIE

In Münster haben gerade demente Altenheimbewohner weniger Schmerzen als vor zwei Jahren – aber es gibt noch viel zu tun. Auf diese Kurzformel lässt sich die Arbeit des Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster in den örtlichen Altenheimen bringen. Nachdem vor rund zwei Jahren festgestellt wurde, dass jeder zweite Bewohner an Schmerzen leidet, haben elf Einrichtungen der stationären Altenhilfe jetzt ihre Bilanz zu den erreichten Verbesserungen gezogen. Viele Mitarbeiter wurden in ihrer Ausbildung zur Pain Nurse speziell im Schmerzmanagement geschult. Fast 50 Qualitätszirkelsitzungen wurden organisiert, damit jede Einrichtung die jeweils dringlichsten Verbesserungsmaßnahmen angehen konnte. Wichtigstes Ergebnis: gerade Bewohner mit Demenz können jetzt weitaus besser dahingehend beurteilt werden, ob bestimmte Schmerzanzeichen zu beobachten sind und welche Behandlungsmaßnahmen daraus abzuleiten sind.

Gerade bei dementen Schmerzpatienten können chronische Schmerzen jetzt besser erkannt und behandelt werden.

„Es ist phantastisch, dass sich in dieser Stadt gleich elf Altenpflegeeinrichtungen auf den Weg gemacht haben, etwas dafür zu tun, damit ihre Bewohner sich wohler fühlen“, lobt Projektleiter Professor Jürgen Osterbrink die Bereitschaft der teilnehmenden Einrichtungen.

„Aufgrund der im Rahmen unseres Projekts durchgeführten Weiterbildungen zur Pain Nurse fühlen sich viele Pflegende jetzt besser handlungsfähig, wenn es darum geht, bei Schmerzen eines Bewohners angemessen zu reagieren, erläutert Osterbrink den Sinn dieser Fortbildungsmaßnahme, an der schon über 100 Pflegekräfte aus Münster teilgenommen haben. Genau diese Handlungsfähigkeit habe man erreichen wollen.

Gezieltere und bessere Schmerzbehandlung

„Der typische Altenheimbewohner leidet nicht an akuten Schmerzen, sondern an einem chronischen Schmerzgeschehen“, erklärt die Nürnberger Schmerztherapeutin Dr. Corinna Drebenstedt, die die wissenschaftliche Auswertung der medikamentösen Therapie betreut. Bei solchen Patienten sei es zunächst erforderlich, die Schmerzsituation genau zu analysieren, um dann die richtige Therapie einleiten zu können. „Hier wurden echte Fortschritte erzielt“, so Drebenstedt. Das Symptom Schmerz werde ernster genommen und dementsprechend behandelt. „Vor Beginn der Intervention gab es nur für fünfundzwanzig Prozent der Schmerzpatienten eine konkrete Handlungsanweisung fürs Pflegepersonal, damit dieses im Bedarfsfall die richtigen Schmerzmittel gibt. Jetzt gibt es eine solche Richtlinie für rund achtzig Prozent.“ Zudem würden bei chronischen Schmerzen jetzt zusätzlich öfter nichtmedikamentöse Maßnahmen ergriffen. „Dieses erweiterte Angebot kommt einer multimodalen Schmerztherapie, wie sie für die Bewohner wünschenswert wäre, somit näher“, zieht Drebenstedt Bilanz.

Fortschritte vor allem bei Demenzpatienten

Man sehe zudem, dass die Pflegenden vor allem beim Schmerzmanagement von Demenzpatienten erheblich dazu gelernt hätten. „Das Problem bei dieser Gruppe ist ja, dass Menschen mit Hirnleistungsstörungen ihre Schmerzen meist gar nicht mehr selbst artikulieren können. Die Pflegenden nutzen jetzt häufiger besondere Instrumente, mit denen man Schmerzen auch bei Demenz erfassen kann“, erklärt die Expertin. Durch dieses verbesserte Wissen könne das Pflegepersonal jetzt auch dementen Schmerzpatienten durch gezielte Maßnahmen Linderung verschaffen.

Neben der Schulung waren auch die Dokumentation und Kommunikation mit den Hausärzten wichtige Themen, an denen gearbeitet wurde. Auch hier konnten erste Erfolge erzielt werden. Doch fertig ist man in Münster mit den Verbesserungsmaßnahmen noch lange nicht „Wir sind gekommen, um zu bleiben“, bringt Prof. Osterbrink den derzeitigen Status und auch das Thema Nachhaltigkeit des Projekts „Schmerzfreie Stadt“ auf den Punkt. „Vieles muss und kann noch besser werden“. Die Gründung des Forums für pflegerische SchmerzexpertInnen sei deshalb ein ganz wichtiger Schritt, nicht zuletzt wegen der demographischen Entwicklung.

Im Rahmen der Ergebnispräsentation erhielten die Vertreterinnen und Vertreter der teilnehmenden Pflegeheime ihre Auszeichnung für eine erfolgreiche Projektteilnahme.