„SCHMERZFREI AM SCHREIBTISCH“ IN DER SCHMERZFREIEN STADT - AKTIONSBÜNDNIS DISKUTIERT MIT UNTERNEHMERN BEST PRACTISE BETRIEBLICHER GESUNDHEITSFÖRDERUNG

Schmerzerkrankungen am Arbeitsplatz sind ein echtes volkswirtschaftliches Problem. „Arbeitnehmer leiden immer häufiger an Schmerzerkrankungen. Die Unternehmen aber auch die gesamte Gesellschaft kommt das teuer zu stehen“, weiß Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink, Leiter des Aktionsbündnisses Schmerzfreie Stadt Münster. Erst kürzlich hätten Gesundheitsökonomen der Universität München berechnet, dass allein das Krankheitsbild Rückenschmerzen volkswirtschaftliche Kosten für Behandlung, Arbeitsausfall und Rente von jährlich über 1.300 Euro pro Patient produziere. Das entspreche einem volkswirtschaftlichen Schaden von rund 49 Milliarden Euro. „Hier sind Arbeitgeber gefragt, denn gerade Rücken- und Gelenkschmerzen lassen sich mit Präventionsprogrammen oft vermeiden.“ Wie genau Unternehmen hier positiv einwirken und etwa 20 Prozent Kosten einsparen können, zeigten das Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster zusammen mit dem Kooperationspartner Barmer GEK bei einer gemeinsamen Veranstaltung.

„Die Fehlzeiten sind gerade bei diesen Erkrankungen lang“, erklärt Co-Gastgeber Jürgen Merx, Regionalgeschäftsführer bei der Barmer GEK Münster und verweist auf den Gesundheitsreport 2010 seiner Kasse. Danach verursachten Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems im Jahr 2009 mit 23 Prozent die meisten krankheitsbedingten Ausfälle und sorgten für überdurchschnittlich hohe Fehlzeiten von rund 22 Tagen.

In der für Arbeitgeber und Personalverantwortlichen konzipierten Veranstaltung wurden Erfolgsrezepte mit dem Ziel vorgestellt, das Leistungspotential von Mitarbeitern zu optimieren und Fehlzeiten zu verringern. Mit dabei waren neben ca. 50 Entscheidern aus der Region Münster auch die ehemalige Spitzensportlerin Heike Drechsler. Die zweifache Olympiasiegerin im Weitsprung und aktuelle Beraterin für betriebliches Gesundheitsmanagement bei Deutschlands größter Krankenkasse Barmer GEK empfiehlt: „Unternehmer sollten unbedingt die gesundheitsrelevanten Strukturen ihres Betriebs kennen und sich für die Überwindung von Motivationshürden einsetzen.“ Erst wenn ein Unternehmen wisse, welche Ursachen krankheitsbedingte Arbeitsausfälle haben, könne es individuelle und exakt abgestimmte Präventionsmaßnahmen einführen. Drechsler: „Mit einem ergonomischen Arbeitsplatz ist es oft nicht getan. Anreize zur sportlichen Betätigung sind oft viel wichtiger.“

Dass sich betriebliches Gesundheitsmanagement auszahlt, erfuhren die interessierten Zuhörer anhand eines Best Practise-Beispiels von Richard Schulte. Der Bereichsleiter Personal einer großen Sparkasse erklärte: „Eine Fusion im Jahre 2002, dazu die Finanzkrise 2009 waren eine echte Herausforderung für unser Haus und seine 870 Mitarbeiter. Aus Gesprächen mit unseren Führungskräften wurde schnell klar: Belastung am Arbeitsplatz ist ein Thema, dass unsere Mitarbeiter bewegt. Hier mussten wir ansetzen.“ Gemeinsam mit der Barmer GEK führte das Unternehmen betriebliches Gesundheitsmanagement ein und setzte zum Beispiel aktive Pausen und Beratungsangebote um. Schulte: „Heute gehört Prävention für uns zum Alltag. Mit einem Krankenstand von 1,9 Prozent sind wir sehr günstig unterwegs. Früher lagen wir bei 2,3 Prozent.“

Die medizinischen Hintergründe und die Bedeutung von präventiven Maßnahmen, insbesondere im Bereich Schmerzen beleuchtete zum Abschluss Dr. Christof Mittmann. Der Vorsitzende der Facharztinitiative Münster, die als wichtiger Kooperationspartner das Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt unterstützt, sieht große Chancen im Bereich der Prävention: „Rückenschmerzen sind oft auf Bewegungsmangel und Fehlhaltungen zurückzuführen. Entscheidend ist es, bei den ersten Anzeichen Gegenmaßnahmen zu ergreifen, denn Schmerzen verselbständigen sich leicht.“ Ist der Schmerz erst einmal chronifiziert, seien lange Patientenkarrieren vorprogrammiert. Für die Arbeitgeber sei dies fatal: Studien zufolge gingen 60 Prozent der Mitarbeiter, die an chronischen Rückenschmerzen leiden, nach sechs Monaten Krankschreibung in den vorzeitigen Ruhestand. „Hier können Arbeitgeber mit kleinen, aber kontinuierlichen Maßnahmen Großes bewirken – im eigenen Interesse und vor allem im Interesse ihrer Mitarbeiter.“

Im Anschluss an die Vorträge und eine durch die Olympiasiegerin angeleitete aktive Minipause war noch genügend Zeit, sich intensiv untereinander zum Thema betriebliches Gesundheitsmanagement und Schmerzprävention am Arbeitsplatz auszutauschen. Das Feedback der Gäste war rundherum positiv: Ein weiterer Mosaikstein auf dem Weg zur Schmerzfreien Stadt.


„Schmerzfrei am Schreibtisch?“ bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Aktionsbündnisses „Schmerzfreie Stadt“ und der Barmer GEK zeigt Heike Drechsler Unternehmern aus Münster wie es geht.
„Schmerzfrei am Schreibtisch?“ bei einer gemeinsamen Veranstaltung des Aktionsbündnisses „Schmerzfreie Stadt“ und der Barmer GEK zeigt Heike Drechsler Unternehmern aus Münster wie es geht.
Diskutierten mit 60 Unternehmern über Betriebliches Gesundheitsmanagement: von links: Richard Schulte, Bereichsleiter Personal bei der Kreissparkasse Steinfurt, Sonja Gottwald, Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der Kreissparkasse Steinfurt, Dr. Christof Mittmann, Vorsitzender Facharztinitiative Münster; Babette Lichtenstein, Medienhaus Münster GmbH; Heike Drechsler, Beraterin Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der BARMER GEK; Jürgen Merx, Regionalgeschäftsführer der BARMER GEK Münster; Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Osterbrink, Projektleiter Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt
Diskutierten mit 60 Unternehmern über Betriebliches Gesundheitsmanagement (v.l.): Richard Schulte, Sonja Gottwald, Dr. Christof Mittmann, Babette Lichtenstein, Heike Drechsler, Jürgen Merx, Univ.-Prof. Dr. Dr. h. c. Jürgen Osterbrink