GLÜHENDE LEITUNGEN BEI DER ZWEITEN TELEFONAKTION DES AKTIONSBÜNDNIS SCHMERZFREIE STADT MÜNSTER MIT DEN WESTFÄLISCHEN NACHRICHTEN

Rückenschmerzen sind die Volkskrankheit Nr. 1 – Dies zeigte sich auch an der diesjährigen Telefonaktion des Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster in Kooperation mit den Westfälischen Nachrichten. Der Andrang auf die vier Rufnummern der Experten zum Thema Rückenschmerzen war enorm. Mehr als 70 interessierte Patienten kamen letztlich durch und erhielten Rat von Orthopäde Dr. Christof Mittmann, den Schmerzexperten Dr. Roswitha Eusterbrock und Ralf Heidlindemann sowie Barmer GEK Regionalgeschäftsführer Jürgen Merx. Starke, andauernde Schmerzen, degenerative Veränderungen, Schwindel, Blockaden, Bewegungseinschränkungen und die Leistungsübernahmen von Krankenkassen waren dabei die am häufigsten angefragten Themen.

Dr. med. Christof Mittmann, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit eigener Praxis in Münster und Vorsitzender der Facharztinitiative Münster gab Ratschläge zu konservativen und operativen Therapien. Häufigste Anliegen waren Arthrose, Osteoporose sowie Wirbelsäulenerkrankungen wie Bandscheibenvorfälle und Spinalkanalstenose. Während bei der letzten Telefonaktion im Januar 2011 viele chronische Schmerzpatienten Rat suchten, die bereits eine Vielzahl an Behandlungen durchgangen hatten, meldeten sich in diesem Jahr viele „unbehandelte“ Patienten. Mittmann: „Viele sind ratlos, fühlen sich regelrecht im Regen stehen gelassen und wissen nicht, wo sie angemessene Hilfe bekommen können.“

„Viele Patienten erwarten die einzig wahre Lösung gegen Rückenschmerzen – doch die gibt es leider nicht“, resümiert Dr. med. Roswitha Eusterbrock, Fachärztin für Anästhesiologie und Spezielle Schmerztherapie vom Schmerztherapiezentrum Münster. Auch sei das multimodale Verständnis von Rückenschmerztherapien wenig verbreitet. Eusterbrock: „Es gibt nicht das eine Kochbuchrezept gegen Rückenschmerzen. Vielmehr sollte die Diagnose durch verschiedene Methoden gestützt sein. Dabei geht es um Therapiekonzepte, um eine ganzheitliche Betrachtungsweise des Patienten und um das Zusammenspiel von verschiedenen Behandlungsmethoden.“

Facharzt für Anästhesiologie, Spezielle Schmerztherapie und Akupunktur Ralf Heidlindemann von der Praxis für ganzheitliche Schmerztherapie stimmte seinen Kollegen zu: „Viele Schmerzpatienten werden einfach nicht ausreichend behandelt. Orthopäden, Osteopathen, Schmerztherapeuten, Psychologen sowie weitere Experten müssen für ein erfolgreiches Schmerzmanagement mit ins Boot genommen werden und idealer Weise Hand in Hand arbeiten. Viele Kollegen wissen leider nicht, was ein Schmerztherapeut zu leisten vermag. Deshalb sehen wir unsere Patienten häufig leider erst relativ spät.“ Das Leiden vieler Anrufer kannte der Münsteraner Arzt genau. In vielen Fällen drehe sich der Alltag der Patienten nur noch um den Schmerz, wodurch sich die Lebensqualität enorm verschlechtert. „Viele fragten nach einer Operation, dabei kann diese oft vermieden und durch diverse Therapiemöglichkeiten ersetzt werden. Nicht jede OP macht alles besser.“ Oft könne mit wenigen und einfachen Mitteln zu mehr Aktivität verholfen werden.

Eine Fragestellung hörte der Vertreter der Krankenkassen, Regionalgeschäftsführer der Barmer GEK Jürgen Merx an diesem Abend immer wieder: Welche Maßnahmen darf der Arzt mir verschreiben? Und was wird von der Krankenkasse bewilligt? Dabei seien genau diese Fragen schwer zu beantworten, denn schließlich entscheide der Behandler über die Therapiemaßnahmen und nicht die Krankenkasse. Merx: „Patienten sollten sich mit ihrem behandelnden Arzt auseinander setzten und auch aktiv an der Therapie mitwirken. Wenn ein bestimmtes Heilverfahren den Patienten nicht gut tut, wird in den wenigsten Fällen der entsprechende Arzt aufgesucht und nach einer Alternativtherapie gefragt.“ Viele Patienten hätten auch nicht den Mut, Zweitmeinungen einzuholen oder vielleicht einen Fachmann aus einer anderen Stadt zu Rate zu ziehen.

Die pausenlos klingelnden Telefone bestätigten den immer noch hohen Aufklärungsbedarf vieler Schmerzpatienten. Univ. Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Osterbrink, Leiter des Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster, lobte das Engagement der geladenen Experten: „Ob Rückenschmerzen oder chronisches Schmerzleiden, beim Thema Schmerztherapie sind bei vielen Patienten noch Fragen offen. Wir sind froh, dass wir die Aktion auch in diesem Jahr in Kooperation mit den Westfälischen Nachrichten durchführen konnten und freuen uns, dass diese so gut angenommen wurde.“


Die Experten des Abends gaben gemeinsam fundierte Ratschläge zum Thema „Bekämpfung von Rückenschmerzen“ und standen zahlreichen Anrufern Rede und Antwort: v. l. Dr. Christof Mittmann, Dr. Roswitha Eusterbrock, Jürgen Merx, Ralf Heidlindemann.
Die Experten des Abends
Dr. med. Roswitha Eusterbrock, Fachärztin für Anästhesiologie und Spezielle Schmerztherapie (Schmerztherapiezentrum Münster)
Dr. med. Roswitha Eusterbrock
Dr. med. Christof Mittmann, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie (Vorsitzender der Facharztinitiative Münster)
Dr. med. Christof Mittmann
Jürgen Merx, Regionalgeschäftsführer BARMER GEK Münster
Jürgen Merx
Ralf Heidlindemann, Facharzt für Anästhesiologie, Spezielle Schmerztherapie, Akupunktur (Praxis für ganzheitliche Schmerztherapie, Münster)
Ralf Heidlindemann