KLINGELN IM SEKUNDENTAKT

Die Telefone liefen heiß bei der ersten Telefonaktion des Aktionsbündnisses Schmerzfreie Stadt Münster. Die vier Experten am Servicetelefon der Westfälischen Nachrichten beantworteten die Fragen von hunderten von Anrufern aus ganz Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sehr ausführlich und ganz individuell.

Dr. Ralf Becker, Allgemeinmediziner aus Münster, kümmerte sich besonders um Patienten mit Tumorschmerzen. „Ich bin überrascht, wie vielfältig die Krankheitsbilder sind und wie oft die Patienten wirklich schon eine Odyssee durch unterschiedlichste Arztpraxen hinter sich haben“, so der Vorstand des Hausärzteverbundes Münster. Bei vielen Anrufern seien neuropathische Schmerzen, zum Beispiel nach Chemotherapie, das Hauptproblem. Aus den Gesprächen konnte man zudem ableiten, dass durch eine ausführliche Beratung zu den eingesetzten Medikamenten, die Akzeptanz und Therapietreue beim Patienten noch erhöht werden könnte.

Dr. Christof Mittmann, niedergelassener Orthopäde, war erster Ansprechpartner für Gelenkerkrankungen. „Die Palette der Fragen war so vielfältig wie bei einem Vormittag in der Praxis“, so seine Einschätzung. Neben Arthrose spielten auch konkrete Fragen zu Gelenkimplantaten eine wichtige Rolle. Wann implantiert werden solle, wie lange man warten könne, ob sich ein neues Hüftgelenk überhaupt noch lohne, seien typische Fragen gewesen. „Vor allem ältere Anrufer klagten über den Verlust ihrer Mobilität“, erläuterte Mittmann. Ein gutes Schmerzmanagement könne hier Abhilfe schaffen und verlorene Lebensqualität zurückgeben.

Das mit Abstand häufigste nachgefragte Krankheitsbild waren Rückenschmerzen. Dr. Roswitha Eusterbrock, Schmerztherapeutin aus Münster, erörterte ausführlich mit den vielen Betroffenen deren Situation. „Viele Anrufer hatten lange Schmerzkarrieren hinter sich“, so Eusterbrock. „Viele leben aufgrund ihrer Erkrankung sehr in sich zurückgekehrt. Gerade bei solchen Patienten sei es wichtig, das Krankheitsbild Schmerz multimodal zu behandeln. Die Behandlung müsse also immer darauf abzielen, medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien bestmöglich zu kombinieren.

Bei Jürgen Merx von der Barmer GEK Münster erkundigten sich viele Anrufer nach Heil- und Hilfsmitteln. Hier herrsche bezüglich der Verordnung und Erstattung oft große Unsicherheit. Sein Tipp für Patienten: auch selbst Verantwortung zeigen und gerade im Bereich Physiotherapie erlernte Übungen stets zu Hause machen.

Das Fazit aller Experten, die auch untereinander intensiv diskutierten war, dass der Beratungsbedarf immer noch enorm hoch sei. „So ein Schmerztelefon müsste eigentlich zur Dauereinrichtung werden“, war ein viel geäußerter Wunsch der Anrufer.


War Ansprechpartner für Gelenkerkrankungen: Dr. Christof Mittmann
War Ansprechpartner für Gelenkerkrankungen: Dr. Christof Mittmann
Standen Rede und Antwort: Dr. Roswitha Eusterbrock und Dr. Ralf Becker
Standen Rede und Antwort: Dr. Roswitha Eusterbrock und Dr. Ralf Becker
Experte von der Krankenkasse: Jürgen Merx
Experte von der Krankenkasse: Jürgen Merx