WAS KOSTET DER SCHMERZ? ERSTE DATEN ZU DEN VOLKSWIRTSCHAFTLICHEN KOSTEN DES SCHMERZMANAGEMENTS IN MÜNSTER

Nach aktuellen Daten der Barmer GEK kostet die Behandlung eines Schmerzpatienten durchschnittlich 8.107 Euro pro Jahr. Kommen indirekte Kosten wie Arbeitsunfähigkeit, Frühberentung, Umschulungen etc. hinzu, beläuft sich die Summe auf rund 38 Milliarden Euro. Der Kostenaspekt ist daher ein wesentliches Kriterium für die Effizienz einer Schmerzbehandlung.

Das Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster legt erstmals gesundheitsökonomische Daten zur Schmerzbehandlung im Krankenhaus vor. Nicht nur die durchschnittlichen Behandlungskosten pro Patient spielten dabei eine Rolle, sondern auch, wie sich die Situation der Patienten durch die Schulung der Ärzte und Pflegenden veränderte.

Nach Aussage des Vorstandes des Hamburg Center of Health Economics (HCHE), Prof. Matthias Augustin, sei es ein Grundprinzip des deutschen Sozialrechts, dass grundsätzlich Nutzen vor Kosten stehen. Der enorme Kostendruck im Gesundheitswesen führe jedoch dazu, dass Ärzte in ihrem Handeln häufig zu einem ökonomischen Minimalprinzip gezwungen wären. Augustin folgert daraus, dass die Analyse der in 6 Münsteraner Krankenhäusern gesammelten Daten stets unter drei Aspekten zu sehen sei: „Erstens: Haben sich die Kosten für Arzneimittel und Therapien verändert? Zweitens: Welchen Nutzen haben die Patienten und die anderen Beteiligten durch dieses Eingreifen davongetragen? Und drittens: Was hat die durch das Aktionsbündnis initiierte Intervention, darunter z.B. Mitarbeiterschulungen in den Kliniken, gekostet?“

Die Auswertung der Studiendaten ergab eine positive ökonomische Bilanz. Die Schmerzversorgung am ersten Tag nach der Operation konnte ohne Mehrkosten an Arzneimitteln verbessert werden. Gleichzeitig wurde beobachtet, dass sich das Schmerzempfinden der Patienten durch die Interventionsarbeit nochmals deutlich senken ließ. „Ein ganz wichtiges Resultat, zumal wir davon ausgehen können, dass sich dieser Effekt noch verstärkt, je mehr Patienten von der neuen Verordnungspraxis profitieren“, ergänzt Prof. Osterbrink. „Das heißt: Weniger Schmerzen ohne Mehrkosten“, bilanziert Augustin.

Die Analyse ergab, dass die Interventionskosten, die durch das Aktionsbündnis getragen wurden, sich auf einmalig ca. 15.000 Euro pro Krankenhaus beliefen“, so der Gesundheitsökonom. „Eine sehr sinnvolle Investition, zumal durch die Intervention und die Optimierungsmaßnahmen sehr viele münsterische Patienten zusätzlich in den Genuss einer gezielten Schmerzkontrolle kommen.“ Zudem gelte auch hier das Prinzip der Nachhaltigkeit. „Die investierten 15.000 Euro werden sich für die teilnehmenden Häuser in den kommenden Jahren noch weiter rentieren.“

Hochgerechnet auf die über 40.000 stationär behandelten Patienten der Münsteraner Krankenhäuser pro Jahr würden durch das Aktionsprogramm bei drei von hundert Patienten bisher nicht beherrschte Schmerzen zusätzlich eingestellt. Pro Patient mit eingestellten Schmerzen würde das gesamte Programm damit umgerechnet ca. 77 Euro kosten – eine Summe, die als akzeptabel für die gewonnene Lebensqualität gilt.

Augustins Fazit: „Je selbstverständlicher professionelles Schmerzmanagement an deutschen Krankenhäusern wird, desto mehr werden der einzelne Patient, aber auch die Leistungserbringer und die Kostenträger im Gesundheitswesen profitieren.“